Bereits in kleinsten Kratzern von Mehrwegverpackungen können sich Bakterien ansiedeln. Werden die Verpackungen mit auch nur geringer Restfeuchte gestapelt, vermehren sich die Bakterien sprunghaft. Ein Grund im Übrigen dafür, warum das Mehrweggeschirr trocken sein muss, bevor es nach dem Spülen weggeräumt wird (1). Deshalb ist auch der Energiebedarf beim Trocknen besonders hoch. Die Rücknahme von gebrauchtem Mehrweggeschirr mit unbekanntem Hygienestatus birgt ein Risiko für Verkeimungen und damit für die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern und bedarf besonderer Vorkehrungen. In sensiblen Küchenbereichen hat gebrauchtes Mehrweggeschirr nichts verloren, ebenso wenig in der Nähe verderblicher Lebensmittel (2) oder in Schränken, in denen Reinigungsutensilien für den Küchenbereich verwahrt werden. Kleinen Betriebsstätten fehlt aber häufig der Platz für die Lagerung von Mehrweggeschirr und die Einrichtung geeigneter Spülsysteme für Waschen und Trocknen. Der soziale Aspekt des Gesundheitsschutzes, gerade auch für ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen, darf in der Diskussion nicht bagatellisiert werden.
Sozial schwächer gestellte Haushalte reagieren besonders sensibel auf Preiserhöhungen. Für eine fünfköpfige Familie könnte sich der Preis für einen einzigen Restaurantbesuch durch eine kommunale Verpackungssteuer um über zehn Euro erhöhen. Das ist für viele Menschen in Deutschland finanziell nicht darstellbar. Bei der Nutzung von Mehrwegalternativen fehlen in der Haushaltskasse bis zur Rückgabe der Verpackungen und der Auszahlung des Pfandbetrages ebenfalls ein zweistelliger Betrag. Daher wäre mit einer erheblichen Vertiefung des bereits zu verzeichnenden und statisch festgestellten Besucherrückgangs in der Gastronomie rechnen.
Vor dem Hintergrund des mehr als fraglichen Nutzens der kommunalen Verpackungssteuern wären diese Kostensteigerungen weder nachvollziehbar noch in der Praxis darstellbar. Die Gastronomen könnten ihrem Anspruch, qualitativ hochwertige Lebensmittel und Getränken zu angemessen Preisen anzubieten, sodass alle in der Gesellschaft daran teilhaben können, nicht mehr gerecht werden.
Es ist zu befürchten, dass viele Gäste nicht von den verteuerten Speisen und Getränken in Einwegverpackungen auf Mehrwegverpackungen wechseln, sondern ihren Konsum weitgehend einschränken oder verlagern. Das geht nicht nur zu Lasten gesellschaftlicher Teilhabe, sondern auch zu Lasten der lokalen Gastronomie. Eine solche Reduktion bzw. Verlagerung des Konsums ist durch die gestiegenen Preise in der Gastronomie bereits heute zu beobachten: Während die Gästezahlen hier stark rückläufig sind, steigt besonders die Menge der im Lebensmitteleinzelhandel verkauften Convenience-Produkte bei Lebensmitteln und Getränken deutlich an. Dadurch entstehen in Summe nicht weniger Verpackungsabfälle, diese fallen lediglich an anderer Stelle an.
Lebensmittelverband Deutschland: Merkblatt „Pool-Geschirr“ - Hygiene beim Umgang mit Mehrweggeschirren innerhalb von Pfand-Poolsystemen hier downloaden Das Merkblatt ist von allen Bundesländern und damit bundesweit von den Überwachungsbehörden anerkannt.
(2) „Es dürfen keine kundeneigenen Becher in betriebliche Bereiche gelangen, in denen offen mit leicht verderblichen Lebensmitteln umgegangen wird.“ Lebensmittelverband Deutschland: Merkblatt „Coffe-to-go Becher“, Seite 3.
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